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Regensensor spinnt?

Warum er nach einem Scheibentausch streikt – und was der Farbkeil damit zu tun hat
 

Der Regensensor ist heute in vielen Fahrzeugen serienmäßig verbaut und sorgt im Alltag für automatisches Wischen bei Niederschlag. Doch was passiert, wenn der Sensor nach einem Scheibentausch plötzlich unzuverlässig arbeitet oder sogar komplett ausfällt?

Oft liegt die Ursache nicht am Sensor selbst, sondern an einem Detail, das im Werkstattalltag leicht übersehen wird: der Tönung der neuen Windschutzscheibe – genauer gesagt dem Farbkeil.

Wie funktioniert der Regensensor?

Regensensoren arbeiten optisch. Dabei sendet der Sensor Infrarotlicht in die Windschutzscheibe und misst anschließend, wie viel Licht vom äußeren Glasrand reflektiert wird. Sobald sich Wassertropfen auf der Außenseite befinden, verändert sich die Lichtbrechung – und genau diese Veränderung erkennt das System.

Damit diese Messung zuverlässig und reproduzierbar funktioniert, müssen mehrere Faktoren zusammenpassen:

  • die optischen Eigenschaften der Scheibe, also Glasdicke, Tönung und Farbkeil

  • sowie die korrekte Montageposition des Sensors

Nur wenn alle Parameter stimmen, arbeitet der Regensensor wie vorgesehen.

Warum der Farbkeil eine Rolle spielt

Viele Windschutzscheiben verfügen im oberen Bereich über einen farbigen „Keil“, der meist blau, grün oder grau getönt ist. Primär dient dieser Farbkeil dem Blendschutz.

Was jedoch häufig nicht bekannt ist: Der Regensensor wird werkseitig exakt auf die Lichtdurchlässigkeit dieses originalen Farbkeils kalibriert. Wird beim Scheibentausch eine Scheibe mit einem anderen Farbton verbaut – etwa ein Grünkeil statt des ursprünglichen Blaukeils – verändert sich die Lichtbrechung innerhalb der Scheibe.

Dadurch wiederum stimmen die gemessenen Werte nicht mehr mit den Sollwerten überein.
Das Ergebnis: Fehlfunktionen des Regensensors, etwa unplausible Wischintervalle oder sogar ein vollständiger Ausfall.

Was ist in der Werkstatt zu tun?

  • Um Probleme nach dem Scheibentausch zu vermeiden, sollten mehrere Punkte beachtet werden:

    • Glasfarbe prüfen: Beim Austausch immer den originalen Farbkeil übernehmen oder beim Glashersteller gezielt auf Kompatibilität achten

    • Sensor neu anlernen bzw. kalibrieren: Viele Regensensoren müssen nach dem Scheibentausch initialisiert oder neu adaptiert werden

    • Montage sorgfältig kontrollieren: Denn auch eine fehlerhafte Verklebung, Lufteinschlüsse oder ein verschmutzter Sensorbereich können die Funktion beeinträchtigen

Ein Beispiel aus der Praxis

Nach einem Steinschlag wurde statt der Originalscheibe mit Blaukeil eine Variante mit Grünkeil verbaut. Optisch war der Unterschied kaum erkennbar, technisch jedoch gravierend. Der Regensensor reagierte anschließend verzögert oder überhaupt nicht mehr.

Erst nachdem die Windschutzscheibe wieder gegen eine Ausführung mit passendem Blaukeil getauscht wurde, funktionierte das System erneut einwandfrei.

Fazit

Beim Austausch einer Windschutzscheibe sollten nicht nur Form, Maße und Halterungen berücksichtigt werden. Ebenso entscheidend sind die optischen Eigenschaften der Scheibe, insbesondere Farbkeil und Tönung – vor allem, wenn Fahrerassistenzsysteme im Frontscheibenbereich verbaut sind.

Für Werkstätten bedeutet das: Bei der Auswahl und dem Einbau von Ersatzscheiben ist konsequent auf OE-Konformität zu achten. Denn nur so lassen sich Reklamationen, Fehlfunktionen und unnötige Nacharbeiten zuverlässig vermeiden.

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